Syrien 820x410 - Der Stand des syrischen Konflikts - kein Ende in Sicht?

Der Stand des syrischen Konflikts – kein Ende in Sicht?

Seit 2011 herrscht in Syrien Bürgerkrieg. Mehr als 400.000 Menschen fanden nach offiziellen Schätzungen bislang den Tod, 4-6 Millionen Syrer sind seit dem Aufflammen der Kämpfe auf der Flucht. Der Konflikt ist auch nach mittlerweile acht Jahren noch weit von einer Lösung entfernt. Die Gründe für diese blutige Patt-Situation sind vielfältig.

Internationale Interessen

Auch wenn es sich beim Syrien-Konflikt nicht um einen klassischen Stellvertreter-Krieg handelt, sind die ausländischen Interessen dennoch von entscheidender Bedeutung für die Zukunft des Landes und den möglichen Friedensprozess.

Globus 268x300 - Der Stand des syrischen Konflikts - kein Ende in Sicht?Während das Assad-Regime mittlerweile offen von Russland und Iran unterstützt wird, erhalten die Rebellen Unterstützung von arabischen Anrainerstaaten, den USA, Ablegern von Al Qaida und selbst dem Islamischen Staat. Dazu kommen die zahlreichen Widerstandsbewegungen aus der bürgerlichen Mitte Syriens. Während die Arabische Liga sich auf Forderungen begrenzt, den Konflikt zu beenden, blockieren sich die USA und Russland gegenseitig im Weltsicherheitsrat. Während die USA ein Ende des Assad-Regimes und entsprechende Resolutionen fordern, betrachtet Russland den syrischen Bürgerkrieg als einen internen Konflikt, der keine Einmischung erlaubt. China scheint in diesem Zusammenhang der russischen Position nahezustehen. Ohne UN-Resolution ist aber kein bindendes Friedens-Abkommen möglich. Die Interessen von Assads Regime, des Westens, der Arabischen Liga und Russlands scheinen unvereinbar miteinander zu sein.

Die Russland-Connection

Solange Assads Regime durch Russland gestärkt und legitimiert wird, scheint eine Lösung des Konflikts nahezu unmöglich. Syrien zählt seit jeher zu einem der wichtigsten Verbündeten Russlands, jährlich fließen Milliarden von Moskau nach Damaskus. Russlands einziger verbleibender Militärstützpunkt am Mittelmeer liegt in Syrien – das Land hat somit enorme strategische Bedeutung. Zudem ist die schiitische Minderheitsregierung von Assad eine der wenigen der Region, in der Russland strategischen Einfluss hat. Andere Golfstaaten lassen sich nicht derart von Moskau beeinflussen. Es liegt also auf der Hand, dass Russland an einem Weiterbestehen des Assad Regimes großes Interesse hat. Eine neue Regierung würde aller Wahrscheinlichkeit nach von der sunnitischen Mehrheit im Land gestellt werden. Die beeinflussbaren schiitischen Machteliten Syriens wären für Russland verloren.

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Assad gibt sich unbeirrt

Was den Syrien-Konflikt so unerträglich macht, ist die Tatsache, dass alles offen, vor den Augen der Weltgemeinschaft passiert. Hinrichtungen, Folter, Mord – das Assad Regime tobt sich aus und die syrische Bevölkerung ist ihrem Diktator und seinen Verbündeten hilflos ausgeliefert. Die Arabische Liga fordert, der Westen verurteilt, Russland beschwichtigt. Und Assad? Der spielt auf Zeit und wird mit jedem Tag, der vergeht, schwieriger aus seinem Amt zu entfernen. Mittlerweile ist ein regelrechter Personenkult um Assad und seine Familie entstanden. Seine Anhänger verehren ihn mit fast schon religiöser Hingabe. Das Zögern der Weltgemeinschaft ermöglicht es ihm, weiter gegen oppositionelle Kräfte vorzugehen. Er scheint zu hoffen, den Konflikt gewaltsam niederschlagen zu können, bevor der Westen sich auf eine Resolution einigen kann – und er scheint damit durchzukommen. Der Westen hat Angst, militärisch in Syrien aktiv zu werden und das weiß Assad. Durch den Schutz Russlands kann er mehr oder weniger unbeirrt weitermachen.

Fazit

Syrien Krieg 300x285 - Der Stand des syrischen Konflikts - kein Ende in Sicht?Einfach gesagt, wird es ohne den Westen nicht funktionieren. Der Konflikt ist derart eskaliert, dass eine interne Lösung des Syrien-Konfliktes unmöglich erscheint. So ist die Opposition im Land extrem diversifiziert, so wie auch die Bevölkerung selbst. Es gibt Schiiten und Sunniten, Kurden, Drusen, Alawiten und Christen. Russland und Iran unterstützen das Regime, die USA die Opposition, Al Qaida und IS treiben ebenfalls ihr Unwesen im politisch instabilen Syrien. Das Land ist zum Spielball der Machtinteressen zu vieler geworden um alleine der Situation Herr werden zu können. Ohne eine verbindliche UN Resolution scheint der Konflikt nahezu unlösbar. Den Menschen steht eine nach wie vor extrem ungewisse, gefährliche Zukunft in einem der instabilsten Länder der Welt bevor.