Katar 820x410 - Tod auf der Baustelle - WM in Katar

Tod auf der Baustelle – WM in Katar

Korruption, Todesfälle, nicht vorhandene Pressefreiheit – die erste Fifa Weltmeisterschaft im Nahen Osten wirft ihre Schatten bereits voraus. Menschenrechtler sind alarmiert, die Fifa gibt sich ahnungslos und Katar selbst gelobt Besserung. Ist das Image der Wüsten-WM noch zu retten?

In die Wüste geschickt

Fußballmeisterschaft 300x180 - Tod auf der Baustelle - WM in Katar2022 ist es nun also soweit: Die erste Fußball Weltmeisterschaft im Nahen Osten steht an. Es ist erst die zweite WM überhaupt in Asien nach der WM 2002 in Japan/Korea und sie bricht mit allen bisherigen Traditionen. Gespielt wird in einem Land, das keine wirkliche Fußball-Vergangenheit hat und keine günstigen klimatischen Bedingungen zum Ausüben des Sports bietet. Umstritten ist die Entscheidung für Katar aber aus einer Vielzahl anderer, deutlich gravierender Gründe.

Gekaufte WM?

Es mag in Katar zwar an vielen Dingen mangeln, eines aber ist zur Genüge vorhanden: Geld. Und dieses Geld setzt Katar seit jeher ein, um seine Interessen durchzusetzen. Das bekamen auch Mitkonkurrenten um die Ausrichtung der WM 2022 zu spüren. Selten wurde von so offener Bestechung seitens einer Delegation gesprochen. Es soll Millionenzahlungen an stimmberechtigte afrikanische Wahlmänner gegeben haben. Auch die Stimmen diverser anderer Fifa Funktionäre und Wahlmänner wurden, laut Zeugenaussagen beim laufenden Fifa-Prozess, mit teilweise horrenden Geldsummen gekauft.

Menschenrechte in Katar

interviewen Fußball 300x160 - Tod auf der Baustelle - WM in KatarKorruption und Fifa – das ist keine neues Thema. Neu ist aber, dass eine WM in ein Land vergeben wird, dass eine extrem problematische Menschenrechtslage hat. Da wäre zunächst die eingeschränkte Presse,- und Meinungsfreiheit. Handys, Laptops, Kameras – alles wird bei Einreise in den Wüstenstaat genauestens durchleuchtet. Kritische lokale Berichterstattung über beispielsweise das Königshaus ist praktisch nicht vorhanden.

Des Weiteren gibt es Anti-Homosexuellen Gesetze, das Zeigen von Zuneigung in der Öffentlichkeit steht unter Strafe. Während heterosexuellen Paaren bei Verstößen „nur“ drei Jahre Haft drohen, gibt es für Homosexuelle noch gravierendere Strafen. Außerehelicher, gleichgeschlechtlicher Sex wird beispielsweise mit dem Tode bestraft, Heterosexuelle werden hierfür öffentlich ausgepeitscht. Ein dritter und elementarer Verstoß gegen die Menschenrechte ist die praktische Freiheitsberaubung der vielen Gastarbeiter, die in Katar die WM-Stadien bauen. Im Rahmen der Diskussion um Menschenrechts-Situation in Katar nahm die Fifa im Jahr 2015 zum ersten Mal auf legislativer Ebene Stellung. Ab sofort dürfen Weltmeisterschaften nicht mehr in Länder mit ungeklärten Menschenrechtssituationen vergeben werden. Warum die WM im Folgenden dann nach Russland vergeben wurde, ist in diesem Zusammenhang jedoch unverständlich.

Ausbeutung durch Kafala-System

Das Kafala-System ermöglicht die praktische Freiheitsberaubung der ausländischen Gastarbeiter. Arbeitgeber dürfen ihren Angestellten die Pässe abnehmen und machen ihnen damit eine Flucht aus dem Land unmöglich. Außerdem ist der Arbeitgeber derjenige, der einer Ausreise seines Arbeiters zustimmen muss. Wenn der Chef seinem Arbeiter die Ausreise verweigert und gleichzeitig seinen Pass einbehält, kann kein neues Visum beantragt werden und der Arbeiter macht sich strafbar. Es droht dann eine Gefängnisstrafe. Es zeigt sich also eine totale Abhängigkeit der Arbeiter von ihren Arbeitgebern, faktisch Sklaverei. Die Arbeiter müssen oft in brennender Mittagshitze auf den Wüsten-Baustellen arbeiten. Arbeitsschutz und Pausenzeiten werden vernachlässigt. Unfälle sind entsprechend keine Seltenheit. Zudem werden die ohnehin schon spärlichen Löhne oft einfach einbehalten.

Katar Flagge 300x118 - Tod auf der Baustelle - WM in Katar

Wie geht es weiter?

Durch die große Hitze sowie schlechte Arbeitsbedingungen sterben immer wieder Arbeiter auf den einzelnen Baustellen für die FIFA-WM 2022 in Katar. Hassan Al-Thawadi, Chef des katarischen WM Organisationskomitees, wurde zusammen mit Vertreten von Menschenrechtorganisationen, FIFA und DFB Mitgliedern vor dem deutschen Bundestag zur Menschenrechts-Problematik in seinem Land, speziell mit Hinblick auf die WM, befragt. Seine Antworten überraschten nicht:  Alles sei in Ordnung. Er betonte den Willen Katars zur Besserung und verwies auf den neu eingeführten Mindestlohn sowie das Arbeitsverbot in der größten Mittagshitze zwischen 12:00 und 15:00 Uhr für Arbeiter. Auch das Kafala-System solle angeblich abgeschafft werden. Öffentliche Zuneigungsbekundungen verbat er sich aber nach wie vor unter dem Verweis auf die gesetzliche Lage in seinem Land. Schlussendlich werden sowohl die Fifa als auch Katar mit der Posse um diese WM durchkommen.